Interview mit David Dzialas

David Dzialas ist noch Schüler – und ist doch vielen in der Region bereits bekannt. Der 16-Jährige interessiert sich für die Auswirkungen des wachsenden Flugverkehrs: Für die Region, für die Umwelt und speziell auch für die menschliche Gesundheit. Sein Einwand gegen den Ausbau des DHL-Frachtdrehkreuzes ist eine scharfe Kritik, genaustens belegt, an der Schadstoffplanung des Flughafens selbst. Im Interview beantwortet er unsere Fragen zu seiner Zukunft und seinem Verhältnis zum Flughafen.

Als junger Schkeuditzer lebst Du schon Dein Leben lang in Sicht- und Hörweite zum Flughafen. Welche Gefühle verbindest Du damit?

Es kommt einem so vor, als ob der Institution „Flughafen“ kaum Grenzen gesetzt sind. Da macht sich schon eine gewisse Enttäuschung breit, die zur Empörung anwächst und in die Fassungslosigkeit mündet. Dies verursachen vor allem vom Flughafen angewandte Taktiken, wie beispielsweise die Beantwortung von Fragen der Bürger in ausschließlich kleiner Runde oder eine fehlende Fristverlängerung aufgrund von Absagen von Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten durch die Covid-19 Epidemie. Diese Gefühle werden bei vielen Bürgern ausgelöst, was nicht selten zu Verbitterung, Wut und einem sinkenden Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger führt, wodurch letztendlich die Spaltung der Gesellschaft und Extremismus befeuert werden. Ich finde auch hier könnten entsprechende Stellen einen wertvolleren Beitrag leisten, wenn sie ihren eigenen Ast nicht absägen wollen. Da fühlt man sich auch schon mal bestürzt.

Fridays for Future ist in aller Munde, junge Menschen sind sichtbar aktiv für Umwelt & Klima. Wie ist Deine Sicht auf die Zukunft?

Man muss ganz klar sagen, dass auf fehlende Taten und Handlungen gegen den Klimawandel keine gute Zukunft folgen kann. Für alle diejenigen, die aber auf eine gute Zukunft hoffen, sind diese Organisationen eine legitime Möglichkeit die Rahmenbedingungen dafür einzufordern. Dabei ist zu beachten, dass trotz des inhomogenen Kollektivs bei vielen Dingen eine gewisse Einigkeit existiert, die, wie ich vernehme, zu einer energiegeladenen, positiven Stimmung führt. In unserem speziellen Fall mit dem Flughafen könnte man fast sagen, dass es hier viel einfacher ist etwas zu bewirken. Hier wird niemand aufgerufen etwas zu schaffen sondern es ist erst einmal lediglich etwas zu unterlassen. Dass dann noch Taten, wie der Einsatz innovativer Technik, folgen, ist für Vertreter des Flughafens wahrscheinlich sowieso zu viel verlangt.

Wo siehst Du Dich vielleicht in 5 oder 10 Jahren?

Ich arbeite natürlich auf ein naturwissenschaftliches Studium, präferenzweise Chemie, hin. Die Chemie kann bezüglich innovativer Technik, wie klimaneutraler Energiespeichermöglichkeiten oder schadstoffarmer Treibstoffe, einen unglaublich großen Beitrag für Klimaneutralität und Gesundheit leisten. Das konnte man auch schon in der Vergangenheit sehen. Von Lithium/Cobaltoxid- Akkus über Brennstoffzellen und adsorptionsbasierten Wasserstoffspeichern bis hin zu Katalysatoren kann man in so ziemlich jedem Gebiet ein Beispiel finden. Es muss dazu gesagt werden, dass auch viele effiziente Bauteile und Verfahren neben Klima und Ressourcen auch den Geldbeutel schonen. Dazu würde ich in Zukunft auch gerne einen Beitrag leisten.

Ein männlicher Teenager steht an seinem Fahrrad mit Satteltasche

Der 16-jährige David ist viel mit dem Rad unterwegs, sein Handy hat er meistens aus: Ein etwas ungewöhnlicherer Teenager.

Welchen (negativen) Beitrag leistet der Flughafen Leipzig/Halle zu einer negativen Sicht auf die Zukunft?

Bei einem hemmungslosen Ausbau ohne Berücksichtigung von Bürgern, innovativer Technik und Umwelt liegt das eigentlich auf der Hand. Der Flughafen Leipzig/Halle mit DHL wird zu einem der größten CO2 (und Luftschadstoff-) Emittenten Deutschlands, Europas, ja gar der Welt anwachsen. Während andere Branchen wie die Energiebranche (ja sogar in China…), aber zunehmend auch die Chemiebranche und langsam auch der Straßenverkehrssektor innovative Techniken anwenden, fällt dies in der Luftfahrt schwer. Insbesondere am lokalen Flughafen sehe ich keine Bestrebungen solche Technik zum Einsatz kommen zu lassen. Wenn man von einem weiteren ungebremsten Wachstum ausgeht, führt dies dazu, dass der Flughafen der Bevölkerung und somit auch seinen Mitarbeitern zunehmend schadet, da durch Schadstoffe natürlich viele Gesundheitsschäden verursachen, die mitunter auch zur Invalidität führen können. In dieser Hinsicht bemerkt die lokale Bevölkerung auch, dass der Flughafen sie Bevölkerung als minder wichtig einstuft. Vor allem angesichts der Lage in Ostdeutschland ist es für den Flughafen passend dem Weg des geringsten Widerstandes zu folgen und deshalb auf die „Unkenntnis einiger Dinge“ der Leute zu setzen á la „Hier können wir machen was wir wollen, wenn wir ein paar Arbeitsplätzchen anbieten, weil das woanders schwieriger und teurer wird.“ Des Weiteren ist zu beachten, dass für Flughäfen und Flugzeuge weitaus laschere Emissionsvorschriften als für Kraftwerke und motorisierte Straßenfahrzeuge gelten, wodurch auch perspektivisch stetig mehr Schadstoffe durch den Luftverkehr am Flughafen Leipzig/Halle an die Atmosphäre abgegeben werden, die Bürgern und Umwelt schaden. Man könnte diesen Beitrag satirisch als „aktive Sterbehilfe“ betiteln, weil die Schadstoffe immer und jederzeit um uns herum sind.

„Diese Debatte hat auch eine ostdeutsche Unwucht, die es gilt weit stärker publik zu machen. Der Flughafen Halle/Leipzig ist […] in Sachen Nachtflüge bundesweit eine Ausnahme. Anders gesagt: Klima- und Gesundheitsdumping werden als Standortvorteil […] beworben. Das erinnert fatal an die 90er Jahre, in denen Ostdeutschland […] damit geworben hat, ein Niedriglohnland zu sein. […] Jetzt wird diese Strategie, uns unter Wert zu verkaufen, wieder angewandt.“

Cornelia Lüddemann (Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt) Tweet

Du hast Dich intensiv mit dem Thema Ultrafeinstaub beschäftigt. Warum?

Ich fand, dass dieses interessante Thema derzeit noch zu wenig Beachtung findet. Aber vor allem beunruhigten mich die am Ultrafeinstaub adsorbierten Schadstoffe, von welchen ich schon früher beim Lesen einiger wissenschaftlichen Werke nichts Gutes erfahren hatte. Hier sind auf jeden Fall die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) zu erwähnen. Der Tropfen, der das Fass dann zum Überlaufen brachte, war zum einen, dass im UVP-Bericht2 mit unzureichender Quellenangabe erwähnt wurde, dass vor über 10 Jahren schon einmal die PAK Belastung im PM10 (große Feinstaubpartikel) gemessen wurde. Dabei gab es laut Flughafen keine Belastung. Dass diese Argumentation dann zu dem Schluss führte, dass auch zukünftig keine Belastung zu erwarten wäre, empörte mich ungemein. Ohne vernünftige Quellenangabe lässt sich aber nicht feststellen, wie methodisch vorgegangen worden ist. Dass PAK im Ultrafeinstaub und im kleineren Feinstaub sowie freie PAK nicht gemessen wurden, aus welchen Gründen auch immer, macht das Ganze unglaubwürdig. Beim aktuellen Planfeststellungsverfahren gab es eine Simulation des Ultrafeinstaubausstoßes. Eine genauere Analyse hielt man jedoch für unnötig.

Zusammengefasst gesagt: Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann dieser in Flughafennähe auf die Menschen/Bewohnenden haben?

Da Ultrafeinstaub mit all seinen Schadstoffen über die Lunge direkt ins Blut gelangen kann, ist davon auszugehen das die im Körper ihre „Arbeit“ verrichten können. Allgemein lässt sich sagen, dass dadurch einfach eine Steigerung der Rate von Krebsneuerkrankungen sowie ein Anstieg der durch klassische Luftschadstoffe verursachte Lungenkrankheiten zu erwarten sind. Es ist jedoch genauso gut möglich, dass durch den Flughafen der Fortschritt in Emissionsminderungsangelegenheiten im negativen Sinne kompensiert wird. Während andere immer weniger ausstoßen, stößt der Flughafen immer mehr aus.

Für an Ultrafeinstaub anhaftende Substanzen findet man in der GESTIS-Stoffdatenbank u.a. die Hinweise links. Auch wenn die Partikel noch 0,005% dieser Stoffe enthalten, gelten für die Partikel immer noch die oben genannten Gefahrensätze. So manch Einer würde dann sagen, dass der Flughafen die Region zu einem Freiluftlabor ohne Sicherheitsvorkehrungen macht.

Aber auch der Natur wird hierbei geschadet: Die nächste Wohnsiedlung ist nur 400 Meter entfernt. Die nächsten Naturschutzgebiete liegen nur 1,5 Kilometer von Landebahn oder Rollfeldern entfernt. Dabei handelt es sich zum Teil auch um geschützte Biotope.

Warum ist – Deiner Meinung nach – Ultrafeinstaub neben Feinstaub ein eher noch kleines Thema?

Das lässt sich gut in ein paar Stichpunkten zusammenfassen:

  • Ultrafeinstaub findet bisher in der Öffentlichkeit eher wenig Beachtung, es wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal ein Grenzwert festgelegt.
  • Es ist schwierig genaue Informationen über die genaue chemische Zusammensetzung (es werden I.d.R. alle organischen Verbindungen in einer Kategorie zusammengefasst) von Ultrafeinstaub zu finden
  • Der Flughafen kommuniziert derartige Probleme tendenziell in einem eher geringeren Umfang, weil man damit eher kein gutes Bild von sich abgibt. Da der Ultrafeinstaub gesundheitlich besonders bedenklich ist, bringt dies für den Flughafen eine zusätzliche Motivation solche Informationen lieber zurückzuhalten.
  • Außerdem ist es hier, ähnlich wie es beim Klimawandel war, schwierig einen Sündenbock oder eine Leitfigur auszumachen. Das würde das Problem, ähnlich wie beim Maskenskandal, greifbarer machen.
  • Da das Thema etwas komplexer ist, landet es nicht so schnell in den Schlagzeilen. Des Weiteren sind die Leute gerade aufgrund der Corona-Krise oft mit vielen anderen Dingen genug beschäftigt.
  • Alle Themen an sich sind kleine Themen, die zusammen ein großes Ganzes ergeben.

Zu guter Letzt: Bist Du selbst schon (von Leipzig aus) geflogen? Wie fühlte sich das an?

David Dzialas‘ Schularbeit ist ein eindrücklicher Einwand gegen das ungebremste Wachstums des Flughafens zu Leiden des Klimas

Vor vielen Jahren bin ich schon mal von Leipzig geflogen. An besondere Gefühle daran kann ich mich nicht erinnern. Im Nachhinein fühlt sich das natürlich irgendwie minder vorteilhaft an, da ich jetzt nicht unbedingt zu den größten Flughafenförderern gehören möchte, erst recht nicht bei der vorherrschenden Trägheit bezüglich Emissionsvermeidungstechnologien.

Den Flugverkehr als Tourist sofort zu meiden ist oft schwierig und man kann das zurzeit auch noch nicht von allen Bürgern verlangen. Aber falls jene dann doch mal irgendwohin fliegen möchten, müssen sie sich den Aufwand machen, noch zu einem anderen Flughafen zu reisen. Da sind selbst die noch Fliegenden ernüchtert, weil sie eigentlich einen Flughafen vor der Tür haben. Der verschickt aber hauptsächlich Pakete und so ist die Auswahl an Zielorten eher gering.

„Die Engagierten“

David Dzialas‘ Schularbeit ist ein eindrücklicher Einwand gegen das ungebremste Wachstums des Flughafens zu Leiden des Klimas

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